Neues aus dem Verein

Kehrausregatta 2026

19.10.2026 von Fabian Riedl

Die Vorhersage für das Wochenende verhieß anspruchsvolle Bedingungen: Für Samstag und Sonntag war durchgehend Starkwind mit 30 Knoten angekündigt. Beim Münzwurf hatte ich leider Pech und so startete ich mit unserem neuen Boot „Kümmerling“ bei meiner ersten Regatta. Außer mir haben sich noch vier weitere ASVer gemeldet: Jan auf dem Aero, Alex auf dem Laser und Hannah und Sebastian mit unserem Piraten Coco.

Samstag:

Die Bedingungen traten genauso ein wie vorhergesagt. Die Böen drückten mit dunklen Flecken über das Wasser und schoben die Jollen an der Startlinie mit Leichtigkeit ins Gleiten. Nach dem Startsignal des ersten Laufs segelten wir den Kurs Richtung Tonne 3. Mit dichtem Segel und den Beinen in den Ausreitgurt gestemmt näherte ich mich der Luv-Marke und musste feststellen, dass es bereits die ersten Schiffbrüchigen gab. Ich begegnete einer Vaurien ohne Vorschoter sowie einer segellosen Finn, die nach einer Rigg-Berührung abbrechen musste. Trotz alledem wurde mir erst auf dem Vorwindkurs klar, wie heftig die Böen waren. Innerhalb kürzester Zeit glitt ich bis zum Kehrmeter hinunter, während drohende Rollbewegungen ein mulmiges Gefühl verbreiteten. Bis kurz vors Ziel hielt ich den Böen jedoch erfolgreich stand, ehe ein Funke Unachtsamkeit während der letzten Halse das Boot auf die Seite legte.

Nach einem kräftezehrenden Aufrichten unter den Blicken Schaulustiger rettete ich mich noch über die Ziellinie. Immerhin war ich im zweiten Lauf besser auf die Bedingungen eingestellt und erkämpfte mir einen Platz weiter vorne. Wegen des anhaltenden rauen Wetters entschied sich die Regattaleitung gegen einen weiteren Start und so ließen wir den Tag bei einem leckeren Abendessen beim SCJ ausklingen.

Sonntag:

Obwohl der Wind über Nacht etwa eine Windstärke nachließ, war unser Startfeld am Folgetag um ein Drittel geschrumpft. Allgemein verlief der Sonntag für mich erfolgreicher: Mein bestes Resultat ersegelte ich gleich am Morgen. Mit frisch getankten Kräften sicherte ich mir im Duell gegen eine Yngling den dritten Platz und kreuzte direkt hinter unserem Aero die Ziellinie. Mit dem vierten und letzten Lauf endete die Regatta am frühen Nachmittag.

Nach dem Abbauen unserer Boote wurden wir beim SCJ mit Kaffee und Kuchen belohnt und für die Siegerehrung ließ sich sogar die Sonne blicken. Alex, Jan und ich konnten uns einen Platz in der Top 5 der Yardstickgruppe sichern, während Hannah und Sebastian sich den achten Platz bei den Piraten gekapert haben. Ich hatte viel Spaß auf der diesjährigen Kehrausregatta und hoffe auf genauso guten Wind für nächstes Jahr. 

Vergleichsregatta – ASV-AYC

13.10.2026 von Fabian Riedl

September 12, 2026: Der ASV lädt zu der in Vergessenheit geratenen "Vergleichsregatta" ein. Bei schönem Spätsommerwetter versammelt sich ein vielseitiges Starterfeld am Steg am Rursee. Der ASV schickte eine bunte Mischung an Booten ins Rennen: Dyas, RS Aero, Pirat, KZV, Seggerling sowie ein kurzfristig vom SCJ geliehener Laser. Der AYC segelte mit einer Repro 26 im Eigenbau und einem 470er zu uns herüber.

Für mich als Regatta-Neuling auf dem Piraten hieß es vor dem Start nochmal Spi fahren üben. Leider schlief der Wind gerade ein und wir hatten Schwierigkeiten rechtzeitig zum Start wieder an der Start-Ziel-Linie zu sein. Doch genau im richtigen Moment frischt der Wind auf und wir schaffen es, ohne eine Sekunde zu verschwenden, auf der Startlinie zu wenden. Die nächste Herausforderung bot sich darin, Tonne “3” zu finden, die sich hinter einem Boot versteckte, das sich dort festgemacht hatte. Die Besatzung beobachtete uns amüsiert, als acht Boote hintereinander, nach besagter Tonne suchend, um ihr Boot kreisten. Ab Runde zwei wurde es richtig voll auf dem See: eine Piratenregatta sowie zwei Optimisten-Schulen gesellten sich zu den vielen weiteren Schön-Wetter-Seglern.

Am Ende teilen sich der Kielzugvogel und die Dyas den ersten Platz. Nachdem die Sieger geehrt wurden, lassen wir den Abend noch mit Bier und Gegrilltem an der Hütte ausklingen. Es war toll, mit dem Nachbarverein ins Gespräch zu kommen und wir hatten viel Spaß zusammen. Ich hoffe, dass sich das nächstes Jahr wiederholen wird.

*Vielen Dank an Mats für die Leitung der Regatta und die Fotos!

Marvin Alt

Blaues Band vom Rursee 2026

02.09.2026 von Fabian Riedl

Rasmus wurde anscheinend gut besänftigt, denn der Regen kam erst nach der Regatta. Ursprünglich war für den Tag das Anwärtersegeln geplant, welches aber aufgrund der schlechten Wettervorhersage und angesagter Sturmböen verschoben wurde. Die RegattaseglerInnen des Rursees hat das jedoch nicht abgeschreckt, und so sind 28 Boote gestartet. Dabei waren sieben ASVer mit dem RS Aero sowie 500, dem 470er und unserem Piraten Coco. 

Anders als erwartet war es trocken und der Wind eher entspannt.

Als einzige Langstreckenregatta auf dem Rursee ging es vom Steg der RWTH los Richtung Rurberg, wo wir die Tonne 3 umrundet haben. Von dort aus ging es auf die lange Strecke bis zur Tonne 9. Es lief ziemlich flott, bis wir im bekannten Windloch bei uns vor dem Steg eingeparkt sind. Ab dann ging es eher im Stop-and-Go weiter bis zur Staumauer, von wo aus wir wieder zurück zum RWTH-Steg gesegelt sind.

Als wir nach der Regatta alle gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Wildenhof saßen, kam schließlich der angekündigte Regen.

Wir hatten eine schöne Regatta! Der Aero belegte Platz 10, der Pirat und RS 500 Platz 17 und 18, während der 470er das Schlusslicht auf Platz 21 bildete.

Wir hatten einen tollen Tag am Rursee und freuen uns schon aufs nächste Jahr!

Juri G

Wieder 24 Stunden auf der Außenalster!

22.08.2026 von Alicha Maichin

Am 1. und 2. August war es wieder soweit: Die 24h-Regatta des ASV Hamburg fand auf der Außenalster statt und wir waren mit dabei. Diesmal mit gleich zwei Booten, dem KZV Crashtest sowie unserem Piraten Coco Jambo, und insgesamt 16 TeilnehmerInnen.

Mit so vielen TeilnehmerInnen mussten wir uns gut koordinieren, sowohl was die Anfahrt, das Kranen, die Rückfahrt als auch die Schichtplanung angeht. Pro Runde segelte ein Team aus zwei Personen. Eine der beiden wurden nach der Runde von der nächsten Person abgelöst. So übernahm jede Person mal das Steuer und die Vorschot. Nach 24 Stunden gewinnen dann diejenigen, die die längste Strecke zurückgelegt haben.

Die Stimmung vor Ort war super. Es war sehr sonnig und warm. Am ersten Tag hatten wir auch noch Wind, der sich leider so gegen 19 Uhr mit einem perfekten Sonnenuntergang verabschiedete und auch nicht wieder kam. Ab da wurden die Segelschichten sehr langwierig und wir wechselten das Schichtsystem zu einem 100 % Crewwechsel, um es allen etwas angenehmer zu machen. Die Runden dauerten ab da circa zwei bis drei Stunden (Spoiler: manche auch länger). Die Personen, die sich gerade nicht auf den Booten befanden, zogen sich zurück ins Matratzenlager, um ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, oder genossen eine warme Dusche. 

Als langsam die Dunkelheit einbrach, leuchteten die kreativen Lichtinstallationen der Boote auf dem Wasser auf. Motto der Regatta dieses Jahr war Abenteurer und Entdeckerinnen. Von bunten Lichterketten über ein grünes Loch Ness-Ungeheuer und einem Raumschiff bis hin zu einem gruseligen Geisterschiff waren sehr kreative Ansätze dabei. 

24h Regatta ASV Hamburg

Ab der nächtlichen Flaute machte das Motto seinem Namen alle Ehre und die Regatta gestaltete sich als ein abenteuerlicher Kampf um jeden Meter. Mal überholten wir, mal wurden wir überholt, abhängig davon, wer einen kurzen Windzug und die richtige Segelposition erwischte. So hielten Hannah und Lukas mit dem Piraten beispielsweise Kurs auf die Zusatztonne und kämpfen sich zurück ins Feld, als plötzlich der KZV an ihnen vorbeischoss und alle überholte. Mal hatte man leicht Schwung und fuhr ein paar Meter, mal stand man gefühlt eine Stunde an einer Stelle und es kam auch vor, dass man hintereinander drei 360s hinlegte (es dauerte lange bis Paul und ich dafür eine Lösung fanden). Aber wir gaben nicht auf und kämpften bis zum Ende. 

Dann war es nach 24 Stunden endlich soweit! Wir fuhren ins Ziel ein. Dabei wurde der Crashtest fast durch die folgenden einfahrenden Boote gecrasht. Es ging aber nochmal alles gut, da wir alle schnell eingriffen. Der Coco landete auf Platz 13 mit einer Gesamtstrecke von 46,125 sm und der Crashtest auf dem 12. Platz mit 48,239 sm. 

24h Regatta ASV Hamburg - Crew vom Crashtest

24h Regatta ASV Hamburg - Crew des Coco Jambos gewinnt FairSail-Preis

Die Crew des Coco Jambos gewann außerdem den FairSail-Preis. Für alle, die sich fragen, was es damit auf sich hat: Der FairSail-Preis wird an die Crew verliehen, die sich, nach der Meinung der anderen Gruppen, beim Segeln besonders fair verhalten hat, sei es durch Vorfahrt gewähren in Situationen, in denen das eigentlich nicht vorgesehen wäre oder aber auch zum Beispiel, wenn man bei einer windstillen 5 ½ h-Runde (an dieser Stelle Props an Torge und Emma für euer besonders starkes Durchhaltevermögen!) Pizza an Board hat und diese mit anderen Booten teilt :) Kann man nach so vielen Stunden und keinem Wind eigentlich eine Bootsbruderschaft abschließen? 

Für alle, die jetzt auch Lust haben bei der 24h-Regatta in Hamburg vom ASV Hamburg mitzumachen: Die nächste findet vom 31.7. bis zum 01.08.2027 statt. Wir können das Event auf jeden Fall sehr empfehlen, trotz Flaute!

 

Autorin: Alicha Maichin

Die RS-Games während der 137. Travemünder Woche

14.08.2026 von Hannah Neubaur

Ich möchte euch von meinem letzten Abenteuer erzählen, denn ich war bei einem Segel-Groß-Event dabei.

Da mich vermutlich nicht alle kennen: Ich bin die Huimmel. Eine sportliche Segeljolle der Bootsklasse RS800. Mein Team macht mich aber erst komplett: Steuermann Sebi und Crew Hannah. Gemeinsam erleben wir ganz schön viele Abenteuer. Von unserem letzten möchte ich nun berichten. Manchmal hat Hannah auch was zu erzählen. Das ist dann kursiv geschrieben.

Eines Donnerstags Abend kamen mich Sebi und Hannah endlich mal wieder an meinem Home Spot am Ratzeburger See besuchen. Als es gar nicht Richtung Slip-Rampe und Feierabendrunde, sondern zum Auto und Straßentrailer ging, wurde mir klar: Zeit für unser nächstes großes Abenteuer. Ziemlich schnell war ich in Persenningen auf meinem gemütlichen Straßentrailer gebettet. Die beiden wissen mittlerweile genau was zu tun ist, um mich möglichst schnell fahrtbereit zu bekommen. Auch wenn die beiden sich echt viel Mühe geben alles zu polstern und weich zu platzieren – dieses Konzept Autobahn ist einfach nicht meins! Ich will lieber aufs Wasser. Zwar kann ich auf der Autobahn so schnell düsen wie sonst nie – aber wegen der Spanngurte kann mich gar nicht frei in alle Richtungen bewegen. Zu meiner Begeisterung wurde ich schon nach nur 45 Minuten Fahrt wieder aus meinem Autobahn-Spanngurte-Elend erlöst. Nachdem ich so langsam aus meiner Transportruhe erwacht war habe ich realisiert, dass sich noch mehr meinesgleichen um mich herum befinden. Ein unbekannter Ort bedeutet immer ein neues Segelrevier – und dann auch noch andere Boote meiner Bootsklasse…. Vielversprechend!

Freitag:
Am nächsten Morgen wurde ich von einem riesigen Gewusel wach. Es werden noch mehr RS800 auf die Wiese gebracht und aus der Transportruhe geweckt. Es schwirren ganz viele Menschen um mich herum, alle stets bemüht sich um ihre RS800 zu kümmern. Am Nachmittag kommen auch endlich wieder Hannah und Sebi zu mir. Außerdem lerne ich Lena und Lars mit deren RS800 „Gleitzeit“ kennen.

Unsere Menschen gehen zur Vermessung der RS-Games. Hannah und Sebi kommen mit 4 Bleigewichten und den sogenannten Granny-Bars wieder. Mein Team ist zu leicht, daher muss ich schwerer werden. Bei denen geht das nämlich nicht so schnell, da können die noch so viel Bier trinken. Dadurch, dass die beiden so leicht sind, dürfen sie meine Racks ausfahren und erzielen damit einen größeren Hebelarm und damit ein höheres aufrichtendes Moment. Damit den schwereren Segler:innen gegenüber aber alles fair bleibt (die ja durch das höhere Gewicht schon näher am Rumpf ein höheres aufrichtendes Moment haben), muss dann mehr Gewicht auf meinem Schwerpunkt sitzen. Die schwereren Teams dürfen den Hebelarm nämlich nicht durch das Herausziehen der Racks vergrößern. Die Granny-Bars sind einerseits gleichwertig mit einem Gewicht und auch dazu da, dass die Lücke zwischen meinen Racks und meinem Rumpf nicht zu groß wird und mein Team nicht hindurch fällt. Mit dieser Regelung werden trotz OneDesign-Klasse und unterschiedlichen Crew-Gewichten sehr faire Bedingungen erzielt. Ich fühle mich jetzt startklar für den ersten RaceDay der RS800 European Championships der RS-Games im Zuge der 137. Travemünder Woche. Nur noch einmal schlafen, ich habe schon ganz schön Hummeln im Hintern.

Samstag:
Der Samstag beginnt für uns alle früh. Gegen 09:00 Uhr schüttel ich meine Oberpersenning ab. Hannah und Sebi sehen etwas nervös aus – auch ich merke die steife Brise, die meine Mastspitze erzittern lässt.  Um 09:30 Uhr ist Steuerleutebesprechung, das erste Ankündigungssignal ist für 12:00 Uhr angesetzt. Das Regattafeld besteht aus 15 Booten. 10 davon stammen aus UK, eins aus Belgien, eins aus Frankreich und drei deutsche Teams. Ich bin ganz ehrlich mit euch: Die Konkurrenz ist hart. Endlich geht es los. Unsere Sliprampe war schon die erste Herausforderung: Steil und kurz, mit Wind von der Seite kombiniert mit einem sehr schmalen Anfahrtsweg. Die schnellsten und kippeligsten Boote (RS700 und RS800) wurden in Travemünde Down-Town einquartiert. Bevor wir dann den tatsächlichen Weg zur Regattabahn antreten konnten, mussten Hannah und Sebi also erstmal vor dem Wind die Trave hinauskreuzen. Mit den anderen Regattateilnehmern, Begleitbooten, Strömung, Fähren und den Traditionsschiffen mit den Touris an Bord war das ein ganz schönes Gewusel. Endlich die Mole passiert, wurde es ernst. Eine Böe nach der anderen pfeffert in meine Segel – doch noch war alles gut, böig können wir. Gemeinsam mit der Klasse der RS700 sollten wir auf der Bahn Delta starten. Die war gaaaaanz schön weit draußen. Mit jedem Meter, den wir der Regattabahn näherkommen, werden die Wellen größer. Hui, das bin ich ja gar nicht gewohnt! Go Hannah und Sebi! Mein Team kämpft, um mich möglichst effizient durch die Wellen zur Startlinie zu steuern. Der direkte Weg zur Bahn ist zu „rutschig“, da kann ich mich nicht gut halten. Ich brauche eine klare Orientierung zur Windkante und will nicht Halbwind durch die Wellen geiert werden. Aber gegen den Wind zu kreuzen wäre die ganz falsche Richtung, da bleib uns also nur eins: Abfallen, Spi hoch, HUIIII. Spi fahren, das macht mir immer am meisten Spaß, weil es da so schnell wird. Aber am ersten Race Day, da konnte ich nicht so losrennen wie sonst. Die Wellen haben mich immer wieder gestoppt und aus dem Gleichgewicht gebracht, wenn sie unter meinem Rumpf hindurchgerollt sind. Hannah und Sebi haben fleißig die Segel getrimmt und das Gewicht verlagert, damit meine Bugspitze bloß nicht in den Wellen abtaucht. An der Nase habe ich nämlich ziemlich wenig Auftrieb. Fast waren wir an unserer Regattabahn angekommen, nur noch eine Halse und ein paar Meter. In der Halse hat mich eine Welle dann einfach umgeschubst. So ein Mist! Sebi steht beim Kentern immer auf dem Schwert, damit ich meinen Mast nicht komplett nach unten ins Wasser stecke. Hannah birgt dann den Spi und übernimmt nach dem Aufrichten direkt das Ruder, damit Sebi wieder einsteigen kann. Manchmal funktioniert das beim erstem Mal leider nicht, aber dann auf jeden Fall beim zweiten Mal.
--Hannah:
Der dritte Versuch hat auch nicht geklappt, genauso wie der vierte und der fünfte. Ich kann die Huimmel in den Wellen alleine einfach nicht aufrecht halten. Zwischendrin hören wir eine Startsequenz. Das wäre unser Start gewesen, mittlerweile treiben wir gekentert neben dem Startschiff – eingecheckt sind wir damit. Frustriert fluchen wir um die Wette und wollen doch einfach nur, dass die Huimmel wieder steht. Sebi und ich tauschen die Rollen, ich richte auf, er tariert das Boot aus. Endlich stehen wir und irgendwie schaffe ich es bei den Wellen an Bord zu klettern. Uff, war das ein Kraftakt. Erleichtert drehen die Helferboote wieder ab. Wir lassen unsere Blicke über das Feld schweifen. Dauernd kippt irgendwo ein Boot um, die Ostsee brodelt und die Böen ziehen die Geldscheine aus den Segeln. Wir entscheiden uns für den Rückweg in den Hafen. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man den Bedingungen nicht gewachsen ist – auch wenn es frustrierend ist. Wir müssen davon ausgehen, dass wir auf dem einstündigen Heimweg mindestens noch einmal das Boot aufrichten müssen.
--Huimmel:
Ich fühle mich schon etwas erschöpft, die Kenterung hat auch mein Material ganz schön strapaziert. Zum Glück ist nichts an mir kaputt gegangen. Ich finde die Entscheidung von Hannah und Sebi, dass wir wieder in Richtung Hafen segeln, sehr gut. In jedem Wellental zittert mein ganzes Rigg und der Rumpf klatscht auf das Wasser. Auf dem Heimweg haben wir wieder diesen „rutschigen“ Halbwindkurs. Wenn wir so segeln, habe ich zu viele Freiheitsgrade. Ein paar Mal können Hannah und Sebi das Gewicht ausgleichen. Aber die beiden schwimmen auch noch ein paar Mal um mich herum, wenn ich mich mit Umkippen und Purzelbäumen ausprobiere. Irgendwann haben wir es dann endlich wieder an Land geschafft, ein weiterer RS800 ist auch schon wieder zu Hause.


--Hannah:
„That was crazy!“, „Are you okay?!“, „Did something break?“, „These waves were insane!“ und „Did you manage to finish the race?“ waren wohl die häufigsten Fragen, die Samstags an der Sliprampe gestellt worden sind. Ich glaube an dem Samstag verzeichnen die RS700er und RS800er 3 gebrochene Ruderbeschläge, eine ausgerissene Spitrompete, einen ausgerissenen Fockschotblock, einen gerissenen Baumniederholer und verschiedene gebrochene Segellatten. Was ein Tag. Die Kirsche auf der Sahnehaube: Gleiche Wettervorhersage für Sonntag.

Sonntag:
--Huimmel:
Als am nächsten Tag alle meinesgleichen wieder mit gehissten Segeln und ihren Teams Richtung Bahn Delta aufbrechen, stehe ich an Land und vermisse mein Team. Der gestrige Tag war hart und sitzt Hannah und Sebi wortwörtlich in den Knochen. Verletzungsbedingt muss mein Team heute aussetzen. Gegen Mittag besuchen mich Hannah und Sebi aber doch noch und machen sich bereits die anderen Teams an der Sliprampe beim Anlanden zu unterstützen. Die Teams sehen alle ganz schön erledigt, aber auch zufrieden aus... Das sind doch alles Dopamin-Junkies.

Montag:
--Hannah:
Endlich wieder segeln gehen! Wir sind noch nicht 100% fit, aber Segeln heilt ja bekanntlich alle Wunden. Wer auch immer die Wettervorhersage erstellt hat, ist nur leider ein zu großer Fan von strg-c; strg-v…. Schon wieder die gleiche Wetter- und Wellenvorhersage wie die letzten zwei Tage. Nachdem am Sonntag noch ein Ruderbeschlag gebrochen ist und die Segelspuren auf den Körpern der Teams zunehmend sichtbar wurden, entschied sich das Race Comitee dazu, sich von Startverschiebung zu Startverschiebung zu hangeln. Obwohl um 15 Uhr dann AP über A gehisst wurde, bestand noch ein kleiner Funken Hoffnung heute aufs Wasser zu kommen: Das Trave Race… 
--Huimmel:
Ich hatte ja schon gar nicht mehr damit gerechnet, aber um 16:15 haben mich Hannah und Sebi tatsächlich noch zum Segeln bereit gemacht. Montags durften die RS800 das sogenannte Trave Race fahren, ein kleines Show-Race in der Trave. Quasi im Vorgarten der Passat. Ich bin ja eine kleine Rampensau und sowas will ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen: Segeln vor Publikum! Mit Kommentator! Mit vier anderen Teams sind wir 2 sehr kurze, aber doch spannende Up- and Downs in der Trave gefahren und sind sogar einmal nicht letzter geworden! Das war ein Spaß!

Dienstag:

--Hannah:
Der Wetterprogrammierer kennt wohl doch noch andere Tasten als strg-c; strg-v! Dienstags hat er folgendes gemacht: Sonne und ….. Flaute! Wow, was haben wir für ein verrücktes Wetterfenster bekommen! Die Seglerinnen und Segler haben Bock, endlich wollen wir doch mal vernünftige Rennen fahren… Wir fordern von der Wettfahrtleitung am letzten Tag sage und schreibe 4 Läufe. Scheinbar hat die Wettfahrtleitung Mitleid mit uns – vier Läufe sind bestätigt. Also ab in den Neo und Kurs Richtung Bahn Delta. Der Wind ist schön, wir fahren einen Doppelsteher zum Startschiff. Eingecheckt, Kurs gecheckt, Spi gecheckt und schon kommt das 5 Minuten-Signal. Der Start ist gar nicht so schlecht, aber der Wind ist shifty und das halbe Feld kommt fast nicht über die Linie. Wir segeln uns frei und fahren einen schönen Lauf. Gegen die Briten haben wir eh keine Chance, aber wir segeln als erstes deutsches Team ins Ziel – endlich ein Erfolg! Schon bald wird der zweite Lauf gestartet. Der Wind nimmt ab und bleibt shifty. An der Luv-Tonne haben wir es tatsächlich geschafft auch zwei britische Teams und die beiden deutschen Teams hinter uns zu lassen. Wenn da nicht der ASV-Drang gewesen wäre, mindestens einmal eine Regattatonne aufzufädeln…. Wir fallen wieder auf den vorletzten Platz und fluchen um die Wette. Schließlich schaffen wir es doch noch wie vorher als drittletzter ins Ziel. Tja und dann… warten…. auf Wind…. bis wir von der Regattaleitung nach Hause geschickt werden….

--Huimmel:
Was ein Abenteuer, oder?! Ich bin total begeistert von der RS800 Community und dem Segelrevier Ostsee. Diese Regatta hat uns gezeigt worin wir schon ziemlich gut sind, hat uns aber auch unsere Schwächen gezeigt. Jetzt heißt es trainieren und Vorfreude auf die nächsten RS800 Championships!

--Hannah:
Unser Fazit – ganz klar – was ein Event! Diese Bootsklasse macht einfach unheimlich viel Spaß, wir können allen Jollensegler:innen den RS800 als Doppel-Trapez-Skiff an Herz legen. Das Boot ist nicht overpowered und kann damit auch von leichteren Teams gesegelt werden. Das Handling im Bereich Trimm und Aufbau ist wie bei allen RS-Booten einfach super easy. Klar gibt es Herausforderungen, aber einfach losfahren und alles perfekt können wäre doch auch langweilig. Also probiert es doch aus!
😉