24h-Regatta beim ASV Hamburg


Vom 4. bis zum 6. August reisen 8 wagemutige ASV’er nach Hamburg, um ihr seglerisches Geschick auf unbekannten Gewässern zu beweisen. Gemeinsam mit 14 weiteren Segelcrews aus den verschiedensten Gegenden der Republik sind sie dem Ruf des Hamburger ASV’s gefolgt, die legendäre 24-Stunden-Regatta wiederzubeleben. Der Großteil der Aachener Crew trifft sich, mehr (Deutschlandticket) oder weniger (Fernverkehr) pünktlich, bereits Freitagabend beim ‚Welcome-Grillen‘ und sondiert, bei Speis und Trank, die Konkurrenz. Erste Schlachtpläne werden geschmiedet und die Revierkundigen nach Tipps und Tricks ausgefragt. Das Ergebnis der Recherche: Wechselhafter Wind! Aber das erschreckt keinen hartgesottenen Rurseesegler! Zum Abschluss des Abends wird der ‚Crashtest‘ inspiziert. Gut gesättigt und mit Kaltgetränk in der Hand lässt sich dabei hervorragend über den optimalen Trimm philosophieren. Über eine auffällig unterschiedliche Wantenspannung und die daraus resultierende eingehende Untersuchung des Riggs wird der gebrochene Salingsbeschlag entdeckt. Die Hauptaufgabe für den Samstagvormittag steht somit bereits fest. Mit dieser Erkenntnis geht es für alle Richtung Bett, um ein letztes Mal etwas entspannten Schlaf zu genießen.

Der Samstag beginnt mit einer Schnitzeljagd durch diverse Läden für Bootsausrüstung, um einen passenden Salingsbeschlag zu finden. Bei der Rückkehr aller Suchtrupps stellt sich leider heraus, dass kein Ersatzteil verfügbar ist. Mit Blick auf den Wetterbericht, der nur schwache Winde vorhersagt, fällt die Entscheidung einmal ASV-Spezial zu bestellen. Also Kabelbinder, Dyneema und Gaffa-Tape. Gesagt getan: Mit dem Kabelbinder werden die Salinge verbunden, durch das Dyneemaseil als Flaschenzug wird der kaputte Beschlag fixiert und für ein schönes Finish alles mit Tape abgeklebt. Danach noch fix das Toplicht für die Nacht anbringen und der ‚Crashtest‘ kann an die Startlinie gehen. Pünktlich zur Steuermannbesprechung um 12 Uhr ist die Aachener ASV-Crew vollständig anwesend, sodass die erste Besatzung im Anschluss direkt in See stechen kann. Nach einigem Gerangel mit den 14 anderen Booten an der Startlinie fällt um 13 Uhr der Startschuss und der ‚Crashtest‘ geht mit einem fast gelungenen Bilderbuchstart in die erste Runde durch die Außenalster. Nun kehrt etwas ruhe am Steg ein, denn eine knappe ¾ Stunde wird vergehen, bevor die ersten Boote, am Ende der Runde, wieder in den ‚Langen Zug‘ einbiegen und damit ins Sichtfeld kommen. Dann aber weicht die Ruhe langsam einem geschäftigen Treiben, da sich die ersten Wechselbesatzungen bereit machen, um, wie vorgeschrieben, mindesten 50% der Bootsbesatzung nach jeder Runde zu tauschen. Wirklich vorbei ist die Ruhe, als das dicht gedrängte Mittelfeld auf den Steg zuhält, um mit kaum verminderter Fahrt die Besatzung zu wechseln. Der Crashtest natürlich mittendrin. Das ASV-Team entschließt sich vorerst nur eine Position auszuwechseln, damit alle Steuerleute das Revier und die Regattabahn einmal bei Tageslicht sehen, um auch nachts die richtigen Tonnen anzusteuern. Da nun wieder 45 Minuten nichts weiter passiert, wird an Land das nächste lebensbedrohliche Problem angegangen. Im Verpflegungspaket sind für 24 Stunden nur 4 Mahlzeiten vorgesehen, sodass ernsthafte Sorgen aufkommen, des Nachts zu verhungern oder zu verdursten. Schnell wird eine Task-Force gegründet weitere Lebensmittel zu beschaffen. Ergebnis dieser Bemühungen ist ein beachtlicher Vorrat an Bier, Cola, Dips und Knabberzeugs, sowie für den Anspruchsvollen Gaumen Cremant-Mate und Kaviar. Bei Rundenzeiten zwischen 40 und 60 Minuten stellt sich langsam eine Routine ein und alle warten sehnsüchtig auf die ersten Zwischenergebnisse. Doch bis dahin musste noch eine bittere Lektion gelernt werden. Die Spalten zwischen den Holzplanken im Steg haben eine wunderbare Größe, um schmale Gegenstände in der Alster zu versenken. So verschwinden nach und nach ein Kuli, eine Socke und ein Handy auf den Grund der Alster. Mit den ersten Zwischenergebnissen um 19 Uhr wir deutlich, dass das Feld trotz des zunehmenden Abstands der Boot, unter Berücksichtigung des Yardsticks, weiterhin sehr dicht ist. Als direkter Konkurrent wird der Kielzugvogel ‚Treibsand‘ ausgemacht, mit dem jede Runde intensiv um die Platzierung gekämpft wird. Mit Einbruch der Dunkelheit leert sich die Außenalster, bis nur noch die Toplichter der Teilnehmer sowie die rot blinkenden Regatta-Tonnen über das Wasser schweben und für eine besondere Atmosphäre sorgen. Gleichzeitig frischte der Wind etwas auf, sodass die Rundenzeiten auf 30 bis 45 Minuten sinken.

Pünktlich zum Bergfest um 1 Uhr am Sonntagmorgen setzt Regen ein und mit ihm verschwindet der Wind fast vollständig. Die ersten Crewmitglieder legen sich im Bootschuppen hin und werden vom prasselnden Regen in den Schlaf begleitet. Währenddessen dümpelt die Besatzung auf der Alster so vor sich hin. Als diese etwa 2,5 Stunden später am Wechselsteg ankommt wird der Entschluss gefasst nun die Gesamte Crew zu tauschen. Bis zum Sonnenaufgang werden nur noch zwei weitere Runden gesegelt. Der Regen lässt dabei zwar langsam nach, nur der Wind kehrt nicht zurück. Dadurch verläuft der Rest der Regatta sehr ruhig. Ab 13 Uhr wird der Zieleinlauf für eine Stunde geöffnet und der ‚Crashtest‘ schafft es nur wenige Minuten vor Ende über die Ziellinie.

Am Ende der 24 Stunden erreicht der ASV Aachen eine respektablen 11. Platz von insgesamt 15 Booten. Das Mittelfeld lag dabei sehr dicht zusammen, sodass 1 sm mehr bereits den 8. Platz bedeutet hätte. Darüber hinaus hat der ASV Aachen den Fair-Sail-Preis für sich gewinnen können. Für diesen Artikel muss dazu die offizielle Begründung ausreichen: Der Fair-Sail-Preis, der für Fair Play und Sportsgeist vergeben wurde, würdigte die außergewöhnlichen Bemühungen des ASV Aachen, die sich trotz aller Widrigkeiten einander und dem Wettbewerb mit Respekt begegneten. Wer wissen will, was wirklich passiert ist, spricht am besten einen der Teilnehmer an.